Halbzeit-Interview mit Bloggerin Vanessa

| 5. Dezember 2016 | 0 Kommentare

Vanessa ist als Work and Travellerin in Kanada unterwegs. Bereits zu Beginn ihrer Reise haben wir sie nach Erwartungen, Organisationsschritten und hilfreiche Tipps befragt. Nun ist sie bereits sechs Monate im Ausland und es wird Zeit für ein weiteres Interview. Sarah vom Work-and-Travel-in-Kanada.de-Blog hat Vanessa jetzt nach gewonnenen Einsichten, den bisherigen schönsten Erlebnissen, ihren finanziellen Ausgaben und der Mentalität der Kanadier gefragt. Außerdem berichtet Vanessa von den Reaktionen in Kanada, als Donald Trump im November 2016 die Präsidentschaftswahlen der USA gewonnen hat.

Eine junge Frau im Flugzeug

Sarah/kanada-blog: Planst du, wie zu Beginn deines Work and Travel Aufenthalts, immer noch ein Jahr in Kanada zu bleiben?

Vanessa: Ich würde glatt behaupten, dass ein Jahr nicht ausreicht, um dieses Land zu bereisen. Wie schon zu Beginn geplant, möchte ich mein Work and Travel Jahr komplett nutzen. Es ist mir eventuell auch erlaubt mein Visum um 3 Monate zu verlängern. So kann ich auch die Sommerzeit im Westen Kanadas erkunden. Was danach ansteht weiß ich allerdings noch nicht. Das steht noch in den Sternen.

Sarah/kanada-blog: Sind die ersten sechs Monate deines Work and Travel Aufenthalts für dich schnell oder eher schleppend vergangen?

Vanessa: Wie im Flug sind die ersten sechs Monate vergangen. Ich bin die ersten drei Monate nur gereist und habe etliche Orte und atemberaubende Landschaften gesehen. Bei so vielen Eindrücken vergeht die Zeit rasend schnell. Nach dem Reisen habe ich mich aber auch darauf gefreut mich an einem Ort ansässig zu machen und einen Job zu finden. Schließlich kostet der Spaß auch einiges.

Sonnenuntergang an einem See

Sarah/kanada-blog: Welche anfänglichen Probleme oder Hürden musstest du in den ersten Monaten bewältigen?

Vanessa: So einige. Das steht fest. Ich habe mich erst einmal zurecht finden müssen alleine zu reisen. Schließlich ist man bei einer Reise, die man ohne einen Reisepartner antritt, komplett auf sich selbst gestellt. Dies hat auch viele Vorteile, jedoch auch einige Nachteile. Ich musste darauf achten mit wem ich mich anfreunde. In den Skigebieten ist es nicht schwer, schnell Freunde zu finden, da jeder in derselben Situation ist und auch ungefähr im selben Alter ist. Die meisten Reisenden bleiben für die Wintersaison oder sogar länger. In den Großstädten ist es jedoch eher schwer eine lange Freundschaft aufzubauen, da jeder nur auf der Durchreise ist. Eine weitere Hürde, die zu bewältigen war: der Diebstahl meiner deutschen Kreditkarte. Zu Beginn wusste ich nicht was ich machen sollte. Als ich dann noch gesehen habe, dass online mit der Karte ein Betrag von 1500 € bezahlt wurde, wurde mir etwas mulmig. Ich habe dann meine Karte rechtzeitig sperren lassen und mir eine neue bestellt. Das Geld wurde mir zum Glück auch erstattet. Viele weitere Hürden haben sich mir in den Weg gestellt, jedoch würde ich diese nicht als Problem bezeichnen. Gibt es nämlich keine Herausforderungen, wäre das Leben zu öde.

Sarah/kanada-blog: Hast du insgesamt eher gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?

Vanessa: Definitiv habe ich überwiegend gute Erfahrungen machen dürfen. In den 6 Monaten meiner Reise, die ich alleine angetreten habe, habe ich mich enorm weiter entwickelt und super Freundschaften schließen können. Ich bin wirklich froh dafür so tolle Leute kennen gelernt zu haben und bin für jede neue Erfahrung, die ich in diesem wunderbaren Land machen werde, dankbar. Ich kann jedoch nicht leugnen auch schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Aber ich schätze, dass gehört zu den vielen Eindrücken die man sammelt dazu.

Sechs junge Leute in Toronto

Sarah/kanada-blog: Was waren nach sechs Monaten deine schönsten Erlebnisse?

Vanessa: Ein bestimmtes Erlebnis herauszupicken ist schwierig. Jedoch würde ich den Sommer in Toronto als eines meiner schönsten Erlebnisse bezeichnen. Man unterschätzt den Sommer in Kanada leicht. Wenn man an Kanada denkt, hat man gleich einen langen und harten Winter vor Augen, jedoch ist ist auch der Sommer atemberaubend schön. Mit den vielen Seen rund um Toronto habe ich eine unvergessliche Zeit gehabt. Außerdem habe ich in Cleveland gelernt ein Flugzeug zu fliegen und bin einmal mit dem Zug quer durch Kanada gefahren. Ich muss jedoch zugeben, dass die Erlebnisse die ich nicht zuvor geplant hatte, die besten waren. Jedes Mal wenn einer meiner Freunde aus Toronto mich spontan abgeholt hat und wir zum Beispiel ein „Beertasting“ gemacht haben oder einfach an den Strand gegangen sind und einfach nur gequatscht haben, das waren die besten Zeiten. Ich würde sagen, dass ich während meiner Reise gelernt habe auch die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, etwa ein Tag mit Freunden zu verbringen oder auch einfach ein gemütliches Bett zu haben.

Sarah/kanada-blog: Welche Jobs hast du bisher ausgeübt und welcher hat dir am besten gefallen?

Vanessa: Ich habe erst vor kurzem angefangen zu arbeiten. Derzeit bin ich in Whistler. In einem der besten Skigebiete Nordamerikas, wenn sogar eines der besten weltweit. Und ich kann sagen, dass ich meinen Traumjob für die Wintersaison gefunden habe. Zuerst habe ich einen Tag als Zimmermädchen gearbeitet, aber das war überhaupt nichts für mich. Daher habe ich diesen Job schnell gekündigt. Für die kommende Skisaison, die bis Ende April andauern wird, arbeite ich in der Rocky Mountain Chocolate Factory. Neben dem Verkauf von hausgemachter Schokolade lerne ich zudem noch die wie man diese Köstlichkeiten herstellt. Ich habe bereits die berühmten S’mores gemacht und habe verschiedene Nussschokoladen-Plätzchen hergestellt. Ich habe schon immer viel gebacken und besitze auch etliche Erfahrungen im Verkauf. Daher passt dieser Job optimal zu mir.

Sarah/kanada-blog: Wie viel Geld hast du während der ersten Monate ungefähr ausgegeben und wofür überwiegend?

Vanessa: Grob geschätzt würde ich behaupten, dass ich bisher circa 4.000 € ausgegeben habe. Dies ist ein guter Schnitt dafür, dass ich bereits ein halbes Jahr gereist bin. Ganz anders als erwartet, habe ich mein Geld überwiegend für qualitative Skiausrüstung und eine gute Jacke ausgegeben. Aber auch für die Reisen innerhalb des Landes und in die USA habe ich einen Großteil meines Geldes ausgegeben. Erwartet hatte ich zu Beginn meiner Reise, dass ich das meiste Geld für Unterkunft und Verpflegung ausgeben würde. Es kam jedoch dazu, dass mir Jenny und Shawn (Freunde aus Toronto) ein kostenloses Schlafzimmer zur Verfügung gestellt haben. Und ich somit viel sparen konnte. Im Gegenzug habe ich dann einige Male gekocht oder auch einen Kuchen gebacken. In New York habe ich Geld sparen können, indem ich Couchsurfing gemacht habe und in Cleveland habe ich bei Verwandten gewohnt. Zudem habe ich nie in einem Hotel übernachtet. Ich habe hingegen eher Air B’n’B genutzt und relativ wenig an außergewöhnlichen Lebensmitteln gekauft.

Kunstwerk mit lachenden Gestalten

Sarah/kanada-blog: Was würdest du sagen, welche Dinge müssen unbedingt ins Reisegepäck und was hast du bislang gar nicht gebraucht?

Vanessa: Was ich nur empfehlen kann mitzunehmen, sind lange Socken und auch bequeme Kleidung. Für mich sind eines der essentiellen Dinge meine Kopfhörer und eine gute Auswahl an Musik. Wie schon im ersten Interview erwähnt, ist das sehr wichtig für mich. Leider muss ich sagen, dass ich gerne mit meinem Lonely Travel Canada Buch reise, es jedoch nie wirklich benutze. Vielleicht ist dieses Interview eine gute Erinnerung daran, es wieder mehr zu verwenden. Ich muss zugeben, zu viele ungeeignete Kleidung mitgenommen zu haben. Und dafür zu wenig passende Kleidung. Damit meine ich nicht die Größe der Kleidungsstücke, sondern eher seinen Zweck. Ich hätte mir gewünscht meine Regenjacke aus Deutschland mitgenommen zu haben oder auch eine weitere Winterjacke.

Sarah/kanada-blog: Wie nimmst du die Kanadier wahr, kannst du typische Klischees bestätigen?

Vanessa: Ein Klischee, das ich definitiv bestätigen kann, ist die Freundlichkeit der Kanadier. Auch wenn man jemanden anrempelt, würde sich der Kanadier noch dafür entschuldigen dir im Weg gestanden zu haben. Wenn man im Supermarkt an der Kasse steht, fängt man schnell ein Gespräch mit den Kassieren an. Sieht man auf der Straße verloren aus, fragen die Leute, ob du Hilfe benötigst. Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie freundlich die Kanadier in Wahrheit sind. Jedes Gericht besteht aus Ahornsyrup oder wird mit dem brauen Gold serviert: Totaler Quatsch. Es stimmt zwar, dass die Kanadier ihren Ahornsyrup lieben, jedoch nicht alles damit essen. Ganz anders sieht es da mit dem Ahornblatt als Nationalsymbol aus. Egal wohin man auch sieht, findet man ein rotes Ahornblatt. Die Kanadier sind extrem patriotisch und lieben ihr Land. Dazu kann ich jedoch nur sagen, dass sie auch allen Grund dazu haben. Ein Klischee dem ich definitiv widerspreche, ist, dass es immer kalt ist. Ich hatte einen super Sommer, bei dem jeden Tag die Klimaanlage laufen musste, ansonsten wäre es zu warm geworden. Ich bin Mitte Juli angekommen und konnte noch Mitte September die Sonne am Strand genießen. Die Liebe zum Sport ist in Nordamerika ja bekanntermaßen sehr groß. Das kann ich nur bestätigen. Ich habe ein Baseballspiel der Blue Jays live in Toronto gesehen und war verblüfft wie gefüllt das Stadion an einem Dienstagabend war. Aber auch andere Sportarten wie Basketball oder Eishockey sind sehr beliebt in Kanada.

Berg und See mit Pflanzen im Vordergrund.

Sarah/kanada-blog: Hast du schon ein kanadisches Lieblingsgericht?

Vanessa: Eine meiner Lieblingsspeisen, die ich zum ersten Mal in Kanada ausprobiert habe, ist die vietnamesische Suppe Pho. Leider ist dies keine traditionelle Speise. Eine beliebte Speise der Kanadier ist Poutine. Dieses Gericht hat es nicht auf meine Top 5 Liste meiner Lieblingsspeisen geschafft. S’mores haben mir es hingegen sehr angetan. Diese Leckerei ist besonders gut an einem Lagerfeuer zu genießen. Was das ist, möchtest du wissen? Ein geschmolzener Marshmallow zwischen zwei Crackern. Wie schon gesagt, ziemlich lecker!

Sarah/kanada-blog: Die Internetseite der kanadischen Botschaft ist nach den US-Wahlen zusammengebrochen, da jetzt viele US-Bürger nach Kanada auswandern wollen. Hast du davon vor Ort etwas mitbekommen und wenn ja, wie ist diese Veränderung im kanadischen Alltag spürbar?

Vanessa: Ob ich das mitbekommen habe? Natürlich! Die Wahlen wurden so gut wie überall live ausgestrahlt. Wir haben regelrecht ein Event daraus gemacht. Es waren zu den US-Wahlen so gut wie alle Menschen aus Whistler in den Bars, um das Spektakel mitzuverfolgen. Dass die kanadische Internetseite aufgrund eines enormen Ansturms an Anträgen zur Immigration zusammengestürzt ist, hat hier niemanden überrascht. Am nächsten Tag waren jedoch viele Reisende besorgt, da auch einige von Ihnen einen Antrag gestellt haben. Nicht aufgrund der US-Wahlen, sondern eher weil Ihnen Kanada als Land zum Leben so gut gefällt. Noch hat sich im Alltag keine Veränderung zu spüren gemacht. Ich bin jedoch gespannt darauf, wie der kanadische Alltag einmal aussehen wird, sobald der neue Präsident in das Weiße Haus einzieht. Es vermuten jedoch viele Kanadier eine spürbare Veränderung zu erleben.

Sarah/kanada-blog: Könntest du dir vorstellen dauerhaft in Kanada zu leben? Wenn ja, warum?

Vanessa: Kanada ist ein hervorragendes Land zum Leben. Die Systeme sind ähnlich wie in Deutschland aufgebaut. Einen enormen Unterschied spürt man in der demokratischen Regierungsform daher nicht. Jedoch macht sich ein großer Unterschied in der Lebensweise bemerkbar. Die Kanadier genießen ihre freie Zeit mit vielen Outdoor Aktivitäten. Auch einen Job zu finden, hängt nur von den Qualifikationen ab, ganz anders als in Deutschland. Es ist daher nicht sehr angesehen ein Bild, sein Geburtsdatum oder seine Herkunft auf dem Lebenslauf preiszugeben oder den Arbeitgeber wissen zu lassen, welche Verbindungen man zu dem Unternehmen hat. Man kommt außerdem viel schneller in ein Gespräch mit anderen Leuten und man ist generell viel freundlicher und herzlicher zueinander. Von daher könnte ich mir schon gut vorstellen dauerhaft in Kanada zu leben. Besonders die Stadt Toronto hat es mir angetan. Aber auch die Skigebiete Kanadas sind gute Orte, um ein glückliches Leben zu führen.

Zwei Menschen auf einem Steg

Sarah/kanada-blog: Und zum Schluss: Konnten sich deine persönlichen Erwartungen an Kanada und deine Auslandszeit bisher erfüllen?

Vanessa: Meine Erwartungen, die ich zu Beginn der Reise hatte, haben sich zu 100 % und mehr erfüllt. Ich habe tolle Leute kennengelernt. Meine Freunde aus Toronto sind mir richtig ans Herz gewachsen und haben meinen Sommer perfekt gemacht. Auch in Whistler, in meinem derzeitigen Zuhause, habe ich schon einige tolle Menschen kennen gelernt. Außerdem habe ich viele wunderbare Städte gesehen und für einige Tage auch alle Landschaften Kanadas durch die Scheiben eines Zuges sehen dürfen. Ich habe Momente erlebt, die ich im Leben nicht vergessen werde, wie die Reise nach New York City, die ich alleine angetreten habe. Auch den Partystrand von Montreal zu sehen, war ein tolles Erlebnis. Und mit so vielen gleich denkenden jungen Menschen an einem kleinen Ort wie Whistler zusammen zu leben, ist einfach fantastisch.

Hier weiterlesen:

>> Interview mit Work and Travellerin/Kanada-Bloggerin Johanna

>> zum ersten Interview mit Vanessa (im work&travel-Magazin)

>> zu Vanessas Blogserie aus Kanada (im work&travel-Magazin)

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Kategorie: Allgemein

Sarah Richter

Über den Autor ()

Sarah war mit ihrer Familie schon immer viel im Ausland unterwegs, besonders der Norden Europas wurde dabei häufig besucht. Nach dem Abitur ging es dann in die USA, um Freunde zu besuchen und bei der Gelegenheit die Ostküste zu bereisen und auf eigene Faust zu erkunden. Danach hat sie in Siegen ihren Bachelor in Literatur, Kultur und Medien gemacht. Während dieser Zeit war sie so oft es ging auf Städtetrips in ganz Europa unterwegs. Nach einem Praktikum bei Antenne Münster und der „Glocke“ (Warendorf), feilt Sarah nun bei der INITIATIVE auslandszeit an ihren redaktionellen Fähigkeiten. Bevor sie aber wieder an die Uni geht, will sie noch viel mehr von der Welt sehen und sich der Faszination des Reisens hingeben. Im nächsten Jahr steht deshalb eine große Reise nach Australien und Asien an. Kanada stellt für sie den Inbegriff von Wildnis und Freiheit dar und steht ganz oben auf der Liste ihrer nächsten Fernreiseziele.

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